Bad Herrenalber Modell

Bad Herrenalber Modell
Dr. Walther Lechler hatte in den siebziger Jahren das 12-Schritte-Programm entdeckt und baute darauf sein »Bad Herrenalber Modell« auf. Als Facharzt für Psychiatrie entdeckte er die therapeutische und spirituelle Qualität der 12-Schritte.
Das gesamte Konzept des Bad Herrenalber Modells umfasst neben den 12-Schritte-Programmen sowohl Elemente der Verhaltenstherapie als auch der Tiefenpsychologie. Dazu kommt als tragende Säule die Bonding-Psychotherapie nach Dr. Dan Casriel (www.bonding-psychotherapie.de).
Weitere Elemente sind die Gruppengesprächstherapie (die »Kerngruppe« bestehend aus ca. 6-12 Klienten und einer Therapeutin/einem Therapeuten), die Vollversammlung, Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg, Körpergestalttherapie, bioenergetische Übungen, Konzentrative Bewegungstherapie (KBT), Familienstellen nach Bert Hellinger, Psychodrama, die Arbeit mit dem Inneren Kind nach Erika Chopich und Margaret Paul, Atemtherapie, Yoga, stille Meditation, Kunsttherapie, Sport, Dynamische Meditation nach Osho sowie Elemente aus den indianischen und anderen spirituellen Traditionen.
Es gibt noch weitere therapeutische Ansätze, die nicht explizit praktiziert werden, jedoch in unmittelbarer Verwandtschaft stehen. Dazu gehören etwa die Tiefenprozessarbeit von Dr. Anne Wilson Schaef oder die Festhaltetherapie von Dr. Jirina Prekop. Um die Klinik herum gibt es einen sehr regen »Förderkreis für Ganzheitsmedizin«, eine ehrenamtliche Organisation aus Ärzten, Therapeuten und ehemaligen Patienten, die Vorträge, Kongresse und Seminare veranstalten (www.foerder-kreis.de).
Es zeigt sich, dass alle o.g. Elemente homogen ineinandergreifen und auf einer gemeinsamen Essenz beruhen. Es geht darum, den Mensch als Teil einer Gemeinschaft, als soziales, emotionales und spirituelles Wesen zu erfassen. Wir stehen immer in Beziehungen und erkennen uns selbst im anderen. Leugnung der eigenen Person, Vortäuschung einer Fassade nach außen bei gleichzeitiger Verheimlichung des eigenen Inneren führt zu Trennung und Verlust von Nähe zu anderen Menschen. Daraus entstehen psychische Probleme wie Ängste und Panikattacken sowie Depression und Sucht.
Ein wichtiges Thema, dass sich durch die Therapie wie ein roter Faden hindurchzieht, ist die Co-Abhängigkeit.
Viel Wert wird auf nicht sexuellen körperlichen Kontakt in Form von Umarmungen, an den Händen halten und Kuscheln gelegt. Diese Berührungen sind sensuell, nicht sexuell. Sie sollen soziale Wärme und Geborgenheit als Grundbedürfnisse des Menschen in den Vordergrund rücken.
Desweiteren gelten bestimmte Fastenregeln, wie Enthaltsamkeit von Alkohol, Nikotin, Unterhaltungsmusik, Fernsehen, Lesen (außer Genesungsliteratur), Computer und »Paring« (romantische und/oder sexuelle Beziehungen innerhalb der therapeutischen Gemeinschaft). Diese Dinge würden den therapeutischen Prozess behindern oder blockieren, da sie in der Regel verwendet werden, »um sich weg zu machen«.
»Der Mensch ist des Menschen Medizin.« »Ansteckende Gesundheit« »Ich bin, ich brauche, ich bin berechtigt.« – Das sind Leitbilder des Bad Herrenalber Modells. Die Therapie ist im Wesentlichen eine Gruppentherapie und die »therapeutische Gemeinschaft«, zu der alle gehören, die Klienten, die Therapeuten und das Hauspersonal bis zur Putzfrau, bildet den Raum, in dem die psychischen und seelischen Prozesse der Klienten bearbeitet werden.

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